Berufsunfähig - trotzdem alles klar?


Viele Arbeitnehmer sind nicht oder nicht ausreichend gegen Berufsunfähigkeit abgesichert. Sie sind im Falle einer eintretenden Berufsunfähigkeit auf sich allein gestellt und sollten sich deshalb überlegen, ob nicht eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung Sinn macht. Die Kassen der gesetzlichen Rentenversicherung sind ein wenig schwach auf der Brust, und das nicht erst seit gestern. Doch wer meint, das beträfe nur sein ihm später mal zustehendes Altersgeld, kennt nur die halbe Wahrheit. Und jetzt eine Frage, die die Damen unter den Lesern nicht gern hören wollen: Wie alt sind Sie, bitte schön? Unter der oben genannten Überschrift hat diese nämlich ihre Bedeutung.

Berufsunfähigkeit - die Ausgangssituation


Sind Sie vor dem 1. Januar 1961 geboren? Wie herrlich, dann brauchen Sie sich nämlich nicht so viele Sorgen zu machen wie Menschen, die nach diesem Datum ihre sterbliche Hülle bezogen haben, denn letztere haben überhaupt keinen Versicherungsschutz mehr durch die Rentenkasse im Falle einer Berufsunfähigkeit. Sie sind auf sich alleine gestellt und sollten sich überlegen, ob nicht eine Zusatzversicherung Sinn macht.

Doch auch die vor diesem Datum Geborenen sind nicht unbedingt im Sorglostarif notiert, denn Voraussetzung für eine staatliche Rente im Falle einer Berufsunfähigkeit ist, wenn mindestens 60 Monate lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung (gRV) gezahlt wurden, davon wenigstens 36 Monatsbeiträge in den letzten 60 Monaten. Angerechnet werden allerdings auch Zeiten, in denen wegen Krankheit, Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit nicht eingezahlt wurde. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, geht der Betroffene völlig leer aus (Ausnahme: die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit wurde durch einen Arbeitsunfall verursacht). Besonders hart trifft die seit 1. Januar 2001 geltende Regelung die Berufseinsteiger.

Vielleicht sagen einige jetzt, dass sie etwas anderes gehört haben und auch für Jüngere noch gesetzlicher Schutz besteht. Diese sprechen dann über die Erwerbsunfähigkeit, was nicht das gleiche ist.

Berufsunfähigkeit - ein Beispiel


Eine Frisörin, 26 Jahre jung, verträgt die Mittel nicht mehr, die sie den Kundinnen auf den Kopf schmieren muss. Sie bekommt Hautausschläge und dagegen gibt es kein Mittel. Die Allergie lässt sich nur vermeiden, indem der Kontakt mit dem Mittel vermieden wird. Das heißt, sie kann ihren Beruf nicht mehr ausüben und ist damit berufsunfähig. Da sie nach dem 1. Januar 1961 geboren wurde, ist eine gesetzliche Absicherung für sie nicht mehr vorgesehen, denn für diesen Personenkreis gilt die lange nicht so weit reichende Erwerbsminderungsrente. Unsere Frisörin ist aber nicht erwerbsunfähig, denn sie könnte sich ja eine Stelle im Bäckerladen um die Ecke suchen, um ihre Brötchen zu verdienen. Noch krasser: Auch nach einem Unfall in der Freizeit, den sie für den Rest ihres Lebens in den Rollstuhl schickt, ist sie nicht erwerbsunfähig, solange sie mehr als drei Stunden täglich an einer Pförtnerschranke Knöpfchen drücken könnte. Um eine gesetzliche Rente zu beziehen, müsste sie also vom Hals ab querschnittsgelähmt, oder nicht mehr Herrin ihrer eigenen Sinne sein. Der zweifelhafte verminderte Schutz ist also nicht gleich als solcher zu erkennen.

Ihre Kollegin, am 31. Dezember 1960 vom Licht der Welt erblickt, genießt noch die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung. Sollte ihr eine Allergie das Leben schwer machen, dann ist sie berufsunfähig und anerkannte Anwärterin für die entsprechende Rente.

Natürlich gibt es in einem Land, in dem alles geregelt ist, auch ein System zur Erwerbsminderungsrente, das uns genau sagt, ab wann jemand als nicht mehr arbeitsfähig gilt, und das schaut so aus:

Natürlich gibt es in einem Land, in dem alles geregelt ist, auch ein System zur Erwerbsminderungsrente, das uns genau sagt, ab wann jemand als nicht mehr arbeitsfähig gilt.


Vielleicht meinen Sie nun, dass eine Berufsunfähigkeit (villeicht sogar lebenslang) in erster Linie durch Unfälle passiert? Weit gefehlt. Diese treten sogar völlig in den Hintergrund. Viel belastender sind "normale Krankheiten" und so genannte Volkskrankheiten, die jeden von uns treffen können:

- Rücken und Gelenke machen mit 27 Prozent den größten Posten aus
- Herz und Kreislauf sind mit 20 Prozent dabei
- Psychische Erkrankungen: 19 Prozent
- Krebs vereint 12 Prozent auf sich
- Stoffwechsel und Verdauung sind auch noch in 5 Prozent der Fälle relevant
- 17 Prozent verteilen sonstige Krankheiten auf sich

Es empfiehlt sich also, privat vorzusorgen!


Aber wie? Und bei welcher Versicherungs-Gesellschaft?

Erst neulich war es wieder einmal Thema im ARD-Magazin Plus-Minus: Trotz anerkannter Berufsunfähigkeit und rechtzeitig abgeschlossener privater BUV (Berufsunfähigkeitsversicherung), trotz richtig gemachter Angaben bei der Antragstellung und regelmäßig gezahlter Beiträge kommt es in 50% (!) der Fälle vor, dass die Versicherung nicht zahlen will. Die Beiträge nehmen sie alle gerne, aber wenn's ums Zahlen geht, dann bekommen sie Schweißtropfen auf die Stirn. Dazu notierte beispielsweise die CosmosDirekt: Man muss wissen, dass BfA und private Berufsunfähigkeitsversicherungen zwar viele Gemeinsamkeiten haben, dass es aber im Hinblick auf die Voraussetzungen für den Bezug einer Rente auch Unterschiede gibt. So erklärte es Sprecher Paul Neurohr von oben genannter Gesellschaft, und fügte flott hinzu: "Die Unterschiede können dazu führen, dass einmal die gesetzliche Rente bezahlt und die private Versicherung nicht." Vorausgegangen war dieser Aussage der Unfall eines Mannes, der nach einem Absturz in den Bergen im Rollstuhl sitzt und seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die BfA stufte ihn zu 100% erwerbsunfähig in, die CosmosDirekt nur zu 40%. Und am Ende geht der Streit vor Gericht weiter, welches der verschiedenen Gutachten nun Recht hat. Auch die Alte Leipziger und die Aachener und Münchener, häufig vertreten durch die Deutsche Vermögensberatung, verstrahlen in dieser Sparte nur matten Glanz.

Sollte die Berufsunfähigkeit durch eine Krankheit entstehen, wird gerne in der lebenslangen Krankheitsgeschichte der versicherten Person herumgesucht, um Anhaltspunkte zu finden, dass bei Antragsabschluss nicht alle Angaben gemacht wurden. Dies wiederum würde der Versicherung die Möglichkeit geben, vom Vertrag zurückzutreten.

Dass diese Vorgehensweise bei den Versicherern nicht mit Einzelfällen zu betiteln ist beweist die Tatsache, dass Betroffene in Frankfurt einen Verein gegründet haben, dem schon über 100 Mitglieder angehören, denn wie bereits geschrieben: Etwa 50% der Anträge auf Rente werden erst einmal abgelehnt.

Raimund Ostheimer von der PV-Anspruchshilfe e.V. kennt viele Fälle, in denen Versicherte mürbe gemacht werden. Er sagt: "Teilweise hat man den Eindruck, dass Versicherungen mehr oder weniger regen Kontakt zu ganz bestimmten Gutachtern halten. Die Ergebnisse zeigen dann auch entsprechend, dass es meist im Sinne der Versicherung ausgeht. Selbst bei Professoren an Universitäten haben wir teilweise den Verdacht, dass diese ausschließlich für Versicherer arbeiten. Nachweisen wird man das mit unseren Mitteln nie können."

Der Verein rät deshalb, vor Abschluss einer BUV bei einer anderen Gesellschaft eine Rechtschutzversicherung abzuschließen. Denn wer keinen Rechtsbeistand hat, der wird im Fall der Fälle durch langjährige Prozesse einfach mürbe gemacht.

Möchten Sie sich informieren? Hier die Kontaktdaten des Vereins.

PV-Anspruchshilfe e.V.
Lurgialle 6-8
60439 Frankfurt
Leistungsfallberatung
Fax: 06103-977442
Tel: 06103-3000696
E-Mail: info@pv-anspruchshilfe.de

Unabängiger Berufsunfähigkeits-Verischerungs-Vergleich im Internet:

Berufsunfähigkeitsversicherungs - Vergleich


Diskutieren Sie über dieses Thema oder andere Finanzthemen im Finanzforum. Tauschen Sie sich dort mit anderen Mitgliedern z.B. über Probleme mit Banken, Anbietern oder bestimmte Produkte aus und diskutieren Sie Ihre Meinung.

Partner Links:

www.kredit-engel.de

Konsumkredit

Zur Zeit finden Sie 7 Beiträge zum Thema Berufsunfähigkeit: